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New Yorks erster stiller Friedensspaziergang

New Yorks erster stiller Friedensspaziergang


Bevor wir uns auf den Weg zu New Yorks erstem stillen Friedensspaziergang machten, erzählte Dr. Stephen Fulder die Geschichte des Rabbiners, der zu seinen Schülern sagte: „Es gibt zwei Möglichkeiten, Frieden zu schließen, den gewöhnlichen und den wundersamen Weg.“ Ein Schüler kommentierte: »Ich nehme an, es ist normal, sich hinzusetzen und mit Ihrem Feind zu sprechen.« »Nein«, sagte der Rabbiner zu ihm.Das ist der wundersame Weg. “Fulder, ein buddhistischer Vipassana-Lehrer aus Galiläa, hat viele stille Friedenswanderungen in Israel geführt. Keiner hat es geschafft, den israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden. Aber sie brachten Frieden auf den Boden unter ihren Füßen, als sie diesen Boden betraten.

Die New Yorker Akademie der Medizin war voll mit Wanderern, die mit weißen Friedensschärpen drapiert waren. Ich erkannte buddhistische Lehrer, jüdische Aktivisten und Quäker aus vergangenen Aktionen. Sufis waren auch da und Muslime, die keine Sufis waren. Es war schwer, die vielen hundert von uns in die erforderliche einzelne Datei zu formen.

Dr. Stephen Fulder. Foto vom Autor.

Ich begann die Single-File-Regel zu schätzen, als wir im leichten Regen den Central Park entlang gingen. Es beseitigte die Versuchung zu sprechen, es unterstrich die Einsamkeit des Wanderers sowie die Gemeinsamkeit des Spaziergangs. Im Leben gehen wir alleine, auch wenn wir zusammen gehen. Frieden ist sowohl ein einzigartiges als auch ein kollektives Unterfangen.

Ich war noch nie in einer Aktion gewesen, in der es keine Banner oder Gesänge gab oder andere verleumdete. Der Spaziergang wurde von einem Schild geführt, auf dem stand: NY SILENT PEACE WALK JOIN US. Das war's.

Eine Aktion, die keine Schuld zuschreibt, steht allen offen. Fulder ist keineswegs unpolitisch. Er ist gegen die Besatzung und bezeichnet die israelische Politik im Westjordanland und im Gazastreifen als Avidya (Unwissenheit.) Er selbst weigerte sich, Militärdienst zu leisten. Er führte einmal Dialoge zwischen Israelis und Palästinensern in Nablus. Jeder musste schweigend den Geschichten über den Schmerz des anderen zuhören. Die Angst der Israelis vor Terroranschlägen und Vertreibungen musste von den Palästinensern gehört werden, genauso wie die Angst der Palästinenser vor israelischen Soldaten und Vertreibungen von den Israelis gehört werden musste.

Ich hörte im Regen den leisen Bewegungen der Stufen vor mir und den Stufen hinter mir zu. Ich hörte das Rascheln der Bäume und die Leute, die auf ihren Handys sprachen. Ich hörte mir zu und dachte: Hat das etwas mit dem Kampf um Land und den Ansprüchen auf Land zu tun? Kann es eine neue Politik geben, die eine Agenda des Zuhörens und vielleicht des Gehens beinhaltet, wenn man zuhört?


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